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PresseInformation Nr. 1

Planen mit „Klimaschutzbrille“

Karlsruhe/Ettlingen. „Heute bauen wir die Stadt von morgen und für morgen. Wer über Klimaschutzziele 2050 spricht, muss jetzt so planen und so bauen, dass diese Ziele erreicht werden. Ansonsten müssen wir nach und nach alle Klimaziele kassieren.“ Mit diesen Worten begrüßte Verbandsdirektor Gerd Hager gestern (6.02.18) rund 80 Teilnehmer zu einer Fachveranstaltung in der Buhlschen Mühle in Ettlingen. Unter der Überschrift „CO2-freie Stadtplanung“ hatte der Regionalverband Mittlerer Oberrhein gemeinsam mit den Energieagenturen der Region vor allem die Fachleute der kommunalen Planungsämter angesprochen. Anhand von Praxisbeispielen zeigten die Referenten die Herausforderungen und Chancen einer energetisch optimierten Stadtplanung auf. Dazu gab es unter anderem Tipps für Fördermöglichkeiten, Beispiele für rechtliche Festlegungen in Bebauungsplänen im Sinne des Klimaschutzes sowie Erfahrungsberichte von bereits realisierten Quartieren. Insgesamt lieferte die Veranstaltung Ansätze, welche technischen, wirtschaftlichen und stadtplanerischen Instrumente es dazu bereits gibt.

„83 Prozent des Endenergiebedarfs der privaten Haushalte“, so Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK), „wird für Raumwärme und Warmwasser verbraucht. Planerische Instrumente, um diesen Verbrauch zu minimieren und energetisch zu optimieren, sind eine entscheidende Stellschraube für eine Energiewende“ Der Geschäftsführer der KEK beleuchtete zusammen mit Martin Appel, Geschäftsführer der Energieagentur Mittelbaden, zu Beginn die Problematik des Themas und Zielsetzung der Veranstaltung. „Eine Verringerung des Energiebedarfs bei gleichzeitigem vollständigem Ausstieg aus den fossilen Energieträgern ist für eine klimaneutrale Energieversorgung unumgänglich. Unter dieser Prämisse müssen stadtplanerische Grundentscheidungen getroffen werden“, lautete ein Appell in der Einführung.

Wie die Rahmenbedingungen dafür aussehen, darüber informierte zunächst Birgit Schwegle. Die Geschäftsführerin der Umwelt- und Energieagentur des Landkreises Karlsruhe stellte als Planungswerkzeug den Energieplan als Grundlage für eine energetisch optimierte Stadtplanung vor. Dabei spiele die Nahwärmeversorgung unter Nutzung regionaler Energieträger eine zentrale Rolle. Ergänzend dazu nannte Schwegle Fördermöglichkeiten des Landes und des Bundes als zusätzliche Anreize für solche Entwicklungen.

Rechtliche Möglichkeiten zur kommunalen Steuerung einer energieoptimierten Bebauung stellte Hartmut Stegmaier vor, Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei einer Karlsruher Anwaltskanzlei. In seinem Fazit empfahl er eine Mischung aus hoheitlichen und freiwilligen Maßnahmen.

Die Veranstaltungsteilnehmer hatten anschließend die Möglichkeit, die Thematik entweder für Neubaugebiete, Sanierungsgebiete und Bestand oder Einzelprojekte mit den Referenten vertieft zu erörtern. Die CO2-freie Stadtplanung lasse sich auch heute schon ohne Einschränkung umsetzen, wie Heinz Hanen von der Gesellschaft für energiesparendes und kostengünstiges Bauen anhand von neu konzipierten Wohnquartieren in einer der Gesprächsrunden veranschaulichte. „Der Trend zum so genannten Green Village ist ganz sicher keine Modeerscheinung, sondern er ist die einzig sinnvolle und Ziel führende Konsequenz, wenn das eigene Leben und das der nachfolgenden Generationen gesund und angenehm in der Zukunft gestaltet werden soll“, so Geschäftsführer Hanen.

Beim abschließenden Austausch im Plenum unterstrich Verbandsdirektor Gerd Hager nochmals die Bedeutung der Planungsebene als einer der wichtigen Thermostate für das Klima. Entsprechend empfahl er mit einem Augenzwinkern, künftig den Blick mit einer „Klimaschutzbrille“ bei Stadt- und Regionalplanung zu schärfen.

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