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PresseInformation Nr. 2

Handelsmonitor Oberrhein veröffentlicht

Karlsruhe. Der Einzelhandel zwischen Waghäusel und Bühl verzeichnet trotz steigender Umsätze des Onlinehandels ein Wachstum seiner Verkaufsfläche. Besonders die größeren Innenstädte und die wohngebietsnahe Grundversorgung profitieren davon. Dies ist auch der Regionalplanung zu verdanken, die den großflächigen Einzelhandel seit gut einem Jahrzehnt nach landesweit einheitlichen Kriterien räumlich zuordnet. Zu dieser Bilanz kommt der sogenannte Handelsmonitor Oberrhein, der nun als Broschüre (160 Seiten) vorliegt und heute im Haus der Region in Karlsruhe vorgestellt wurde. „Das Stete beim Handel ist der Wandel. Der Projektbericht zum Handelsmonitor Oberrhein präsentiert mit seinem zeitlichen Längsschnittvergleich zum einen wertvolle Erkenntnisse über die dynamischen Veränderungen in der Einzelhandelslandschaft am Oberrhein. Zum anderen dokumentiert er die Steuerungserfolge der Regionalplanung“, erläutert Gerd Hager, Verbandsdirektor des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein.

Auf Grundlage einer kompletten Bestandserhebung, stellt diese Studie der Regionalverbände und der Industrie- und Handelskammern (IHK) am Südlichen und Mittleren Oberrhein die Entwicklung des Einzelhandels für den Zeitraum 2008 bis 2017 dar. Nach einer ersten Erhebung vor fast einem Jahrzehnt haben die Gutachter in diesem Jahr erneut alle Einzelhandelsbetriebe erfasst. Die rund 5.700 in der Region Mittlerer Oberrhein registrierten Betriebe verfügen demnach zusammen über eine Verkaufsfläche von etwa 1,6 Millionen Quadratmeter, vergleichbar mit der Fläche von etwa 225 Fußballfeldern. Dabei sank gegenüber 2008 die Zahl der Geschäfte um 14,4 Prozent, während die Verkaufsfläche um 4,1 Prozent stieg.

Da eine flächendeckende Bestandserhebung aller Ladengeschäfte mit großem Aufwand verbunden ist, gibt es auf Bundes- und Landesebene keine zentralen Stellen für amtliche Statistiken zur Einzelhandelsentwicklung.  „Der Handelsmonitor ist ein Datenschatz aus dem Einzelhändler und Stadtplaner wertvolle Erkenntnisse über die lokalen Bestandsstrukturen gewinnen können“, betont Jenny Geis, Bereichsleiterin Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Karlsruhe. „Unsere flächendeckende Studie ist bundesweit ein Novum“, ergänzt Gerd Hager.

Laut Handelsmonitor Oberrhein haben sich die Wege zum nächsten Supermarkt verkürzt und damit die Nahversorgung verbessert. Demnach stieg in der vergangenen Dekade der Anteil der Bevölkerung, die in fußläufiger Entfernung (max. 700 Meter) von einem großflächigen Markt (mindestens 800 qm Verkaufsfläche) leben, um fast ein Viertel auf 48 Prozent. Dabei heben sich besonders die Städte Karlsruhe und Rastatt ab. Dort sind es sogar über drei Viertel der Bevölkerung, die entsprechend kurze Fußwege zum Einkaufen haben. Bei diesem Indikator schneiden beispielsweise auch die Gemeinden Muggensturm (93 Prozent), Forst (86 Prozent) und Bad Schönborn (83 Prozent) überdurchschnittlich stark gegenüber dem im landesweiten Vergleich bereits starken regionalen Durchschnittswert (62,4 Prozent) ab. „Rund zwei Drittel der Bevölkerung in unserem Kammerbezirk sind fußläufig gut versorgt. Das bestätigt die gemeinsamen Anstrengungen von Stadt- und Regionalplanung sowie engagierten Kaufleuten, die Nahversorgung auszubauen. In kleineren noch unterversorgten Orten soll diese positive Entwicklung verstärkt fortgesetzt werden“, so Nicolas Schruff, Referent für Handel bei der IHK Karlsruhe.

Auch die Innenstädte konnten sich beim Einzelhandel laut Untersuchungsergebnissen besonders stark aufstellen. Besonders in den Innenstädten der Mittelzentren Gaggenau (+35,9%), Bruchsal (+35,0%), Ettlingen (+24%) und Rastatt (+15,4%) wuchs die Verkaufsfläche markant. Die Innenstadt des Oberzentrums Karlsruhe verzeichnete hingegen einen Rückgang der Verkaufsfläche von 3,3 Prozent. Die Innenstädte der Mittelzentren Baden-Baden (+5,9%), Bretten (+2,6%), Bühl (+8,9%) und Gernsbach (+2,6%) konnten eine stabile Entwicklung der Verkaufsfläche verbuchen. Vor allem innenstadttypische Sortimente wie Bekleidung und Schuhe wuchsen. „Das regionalplanerische Integrationsgebot zeigt seine Wirkung. Die Renaissance der Innenstadt gegenüber der Grünen Wiese ist messbar“, so Gerd Hager.

Bei der Abschlussveranstaltung zum Projekt Handelsmonitor Oberrhein am 24.09.2017 in Offenburg wurden bereits zentrale Ergebnisse der Studie mit den über 150 Teilnehmern aus den Bereichen Einzelhandel, Kommunen und Planung diskutiert. Tenor war laut Regionalverband und IHK, dass Innenstädte und Fachgeschäfte den eingeschlagenen positiven Weg durch eine weitere Stärkung ihrer Alleinstellungsmerkmale weitergehen sollten.

Allerdings haben die Gutachter des Handelsmonitors auch festgestellt, dass außerhalb der großen Kommunen mit guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viele Innenstädte und Ortskerne mit strukturellen Veränderungen zu kämpfen haben. „Häufig fehlt es an attraktiven Handels- und Gastronomiekonzepten und ebenso einer kommunalen Förderung eines attraktiven städtischen Umfelds. Eine stärkere Zusammenarbeit der Akteure ist hier wünschenswert“, so der Appell von Jenny Geis. Teilweise gehe die Verkaufsfläche deutlich zurück, weil inhabergeführte Fachgeschäfte schließen. Dies lasse sich unter anderem auf den verschärften Wettbewerb durch den Onlinehandel zurückführen. „Der stationäre Handel muss zukünftig digital auffindbar sein, um überhaupt neue Kundenpotenziale erschließen zu können“, so Nicolas Schruff. Die IHK bietet hierzu diverse Angebote, um sich für die Zukunft besser aufzustellen.

Hintergrundinformation
Akteure:
Die Bestandserhebung und Evaluierung verantwortete die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung. Projektpartner waren die beiden Regionalverbände Mittlerer Oberrhein und Südlicher Oberrhein, die Industrie- und Handelskammern Karlsruhe und Südlicher Oberrhein, die Handelsverbände Nordbaden und Südbaden. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg hat das Projekt finanziell unterstützt.

Wesentliche Ergebnisse der Studie:
• Im Betrachtungszeitraum 2008 – 2017 konnte die Position der Zentralen Orte verbessert werden. Das Ziel einer ausgewogenen Verteilung der Versorgungsleistung der Zentralen Orte, das Kongruenzgebot, wird durch die Planungspraxis umgesetzt und zeigt positive Wirkungen.
• Die in der Untersuchungsregion ausgewiesenen Zentren versorgen die ihnen zugewiesenen Verflechtungsbereiche im mittel- bis langfristigen Bedarfsbereich adäquat und ausgewogen. Kein Mittelzentrum hat ein „Übergewicht“ gegenüber einem anderen Zentrum erlangt.
• Durch das Integrationsgebot werden Neuansiedlungen auf die Zentren und Vorranggebiete (integrierte Lagen) orientiert, neu entstandene großflächige Betriebe mit zentrenrelevantem Kernsortiment orientieren sich in der Region Mittlerer Oberrhein zu 78 Prozent auf diese integrierten Lagen. Bei den übrigen Betrieben handelt es sich um Standorte in Gewerbegebieten mit älteren Bebauungsplänen, die zwischenzeitlich fast überall durch die jeweiligen Städte an die Ziele der Raumordnung angepasst wurden.
• In der Untersuchungsregion konnten nach 2008 keine großflächigen Ansiedlungsfälle, die eine maßgebliche Beeinträchtigung des Zentrums und/oder der Nachbarzentren besorgen ließen, festgehalten werden. Auch hier kommt der Regionalplanung positive Steuerungswirkung zu.
• Die Nahversorgung hat sich seit 2008 verbessert. Fast 60 Prozent der Bevölkerung der Untersuchungsregion wohnen heute in fußläufiger Entfernung zu einem qualifizierten Lebensmittelmarkt.

Ergänzt wird die Studie durch einen Vergleich der Einzelhandelsentwicklung zwischen französischer und deutscher Seite im grenzüberschreitenden Raum am Oberrhein in Zusammenarbeit mit der CCI Alsace Eurométropole (Chambre de Commerce et d‘Industrie Alsace Eurométropole).

Veröffentlichung:
Der vollständige Projektbericht zum Handelsmonitor Oberrhein (160 Seiten) sowie eine Kurzfassung (16 Seiten) können beim Regionalverband Mittlerer Oberrhein in gedruckter Form bezogen oder in digitaler Form auf dessen Internetseite www.region-karlsruhe.de heruntergeladen werden.

Am 12.06.2018 werden die Projektpartner Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und Regionalverband Mittlerer Oberrhein eine regionale Tagung zum Einzelhandel in Karlsruhe veranstalten.

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