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PresseInformation Nr. 35

Baumeisterpreis 2019

RVMO: Verleihung des Reinhard-Baumeister-Preises 2019, v.l. Verbandsvorsitzender Dr. Christoph Schnaudigel, Felix Fabian Stroh, Julia Wolf, Tim Hermes, Verbandsdirektor Prof. Dr. Gerd Hager

Karlsruhe. Zum Auftakt der Verbandsversammlung des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein im Bruchsaler Bürgerzentrum (04.12.) fand die Verleihung des Reinhard-Baumeister-Preises statt. Letztlich konnten drei Nachwuchswissenschaftler die Jury mit ihren eingereichten Arbeiten überzeugen. In der diesjährigen Ausschreibung waren innovative Studien im Spannungsfeld von Digitalisierung und Raumentwicklung gefragt. Einer der beiden ersten Preise ging an Tim Hermes für seine Masterarbeit mit dem Titel „The sky ist the limit: Die Entstehung eines Marktes in der urbanen Vertikale“, in der die Ausdehnung der räumlichen Planung auf den Luftraum thematisiert wird. Hintergrund sei die zunehmende Erschließung des Luftraumes durch Drohnenhersteller und Logistikdienstleister.

Gleichauf in der Bewertung war die Masterarbeit von Felix Fabian Stroh, der sich mit neuen digitalen Möglichkeiten zur Einbeziehung der Bevölkerung in Planungsprozesse beschäftigte und dafür ebenfalls einen ersten Preis erhielt.

Ferner würdigte die Jury Julia Wolf mit einer Anerkennung für ihre Bachelorarbeit zu den Auswirkungen des digitalen Handels auf die Stadt. Darin zeigte sie auch Handlungsansätze auf, um die Funktionalität der zentralen Versorgungsbereiche zu erhalten.

Der Baumeisterpreis wird seit dem Jahr 2013 im zweijährigen Rhythmus ausgeschrieben und ist mit insgesamt 2.000 Euro dotiert. Namensgeber ist Reinhard Baumeister (*1833 t1917), der als Begründer des wissenschaftlichen Städtebaus in Deutschland gilt. Noch zu seinen Lebzeiten wurde eine Straße in Karlsruhe nach ihm benannt. Am Anfang der Baumeisterstraße steht das HAUS DER REGION, in der sich die Geschäftsstelle des Regionalverbandes befindet.

Ein 1. Preis für Tim Hermes

Tim Hermes hat am Institut für Humangeographie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert und seine Masterarbeit vorgelegt.

Hermes´ innovative Arbeit führt die räumliche Planung in eine „neue Dimension“. Empirisch fundiert und theoretisch visionär beschäftigt er sich mit der Entstehung eines neuen Marktes: dem unteren Luftraum. Denn die Digitalisierung macht auch vor dem Luftraum nicht halt. Könnten Drohnenhersteller und Logistikdienstleister alleine entscheiden, der Himmel wäre längst möbliert mit wild umhersurrenden Luftfahrzeugen.

Empirisch aufwändig und theoretisch akkurat hat Herr Hermes durch zahlreiche Interviews mit zentralen Akteuren herausgearbeitet, wie Recht, Technologie und ökonomische Interessen bei der Neuordnung des vertikalen Raums ineinander greifen und – selbstverständlich – auch widerstreiten.

Dabei konnte die Arbeit auch zeigen, dass sich Kommunen dringend an der Erschließung des Luftraums beteiligen müssen, um das Dienstleistungsangebot der unbemannten Luftfahrzeuge gestalten zu können. Auf innovative Weise gelingt es dem Herrn Hermes, seine Schlussfolgerungen zur Entwicklung der „Drohenlogistik und -mobilität“ in den umfassenden Diskurs um Digitalisierung, Smart Cities und neue Mobilitätsformen einzubetten.

Denn wie neue technologische Entwicklungen für eine zukunftsfähige Stadt- und Raumentwicklung genutzt werden können, wird sicher einer der maßgebenden Faktoren im weltweiten Wettbewerb der Regionen sein. Hier gut aufgestellt zu sein liegt ja nicht zuletzt deswegen auch im Interesse unserer Region, weil eines der führenden Unternehmen seinen Sitz in Bruchsal hat: die Volocopter GmbH, mit der Herr Hermes auch eines seiner Interviews geführt hat.

Er schlussfolgert: „Der Luftraum in deutschen Städten steht vor einem bedeutenden funktionalen Wandel und der Markt für Dienstleistungen, die sich in der Vertikale realisieren, steht auf der Schwelle zum Massenmarkt. Letztlich bleibt die Frage, wie dieser Wandel durch die beteiligten Akteure konkret weiter ausgestaltet wird, welche technischen Infrastrukturen sich als dominant innerhalb eines Systems für autonome Luftfahrzeuge entwickeln und welche Folgen dieser Wandel für das soziale Gefüge der Welt er nach sich ziehen wird. Dass er kommt, steht fest.“

Ein 1. Preis für Felix Stroh

Felix Stroh hat seine Masterarbeit aus dem Studium der Humangeographie an der Universität Tübingen eingereicht.

Die Digitalisierung hat bereits grundlegend die Art und Weise der Kommunikation verändert. Die neuen Kommunikationstechnologien ermöglichen heute völlig neue Formen der Kommunikation, der Zusammenarbeit und der Mitgestaltung.

Die neuen Plattformen können genutzt werden, um die Bürger viel enger und weitgehender als in der Vergangenheit in die Gestaltung von Stadt- und Raumentwicklung einzubinden. Daten können von Verwaltung und Bürgern gemeinsam erfasst, analysiert und in Konzepte umgesetzt werden. Aus Einwohnern werden co-creators.

In seiner Arbeit „The new role of citizens as co-creators of socio-digital innovations and urban development“ untersucht Herr Stroh anhand einer Vielzahl von Beispielen aus der Smart-City Barcelona die Wirksamkeit verschiedenster Werkzeuge und Instrumente zur Partizipation. Dabei reichen seine Beispiele von Prozessen ohne Partizipation bis hin zu Prozessen, in denen die „smart citizens“ Barcelonas uneingeschränkte Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit hatten.

Hervorzuheben ist, dass Herr Stroh nicht einseitig nur die Vorteile der neuen Partizipationsmöglichkeiten beleuchtet, sondern vielmehr auch Kritikpunkte benennt, die ansonsten oft in der Euphorie allzu leicht unter den Tisch fallen.

Sein Werkzeugkasten für die co-creation einer Smart City deckt dabei alle Phasen eines Stadtentwicklungsprozesses ab: Problemidentifizierung, die Problemlösung, und die Umsetzung. Planungsprozesse können somit künftig unter Nutzung digitaler Kommunikations- und Kollaborationstechnologien partizipativ gestaltet werden und die Bürger von Anfang bis Ende einbeziehen.

Mit den neuen Instrumenten die Bürger auch für die Regionalplanung zu begeistern, das ist eine weitere Herausforderung, für die die Arbeit einen Überblick zu innovativen Werkzeugen bietet.

Anerkennungspreis für Julia Wolf

Der Anerkennungspreis würdigt die Bachelorarbeit von Julia Wolf in der Fachrichtung Stadtplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Der Titel der Arbeit lautet: „Der digitale Handel – seine Auswirkungen auf die Stadt sowie Handlungsansätze zur Erhaltung ihrer Funktionalität“

Julia Wolf hat in ihrer Studie einen Bereich ins Auge gefasst, in dem die digitale Transformation bereits für jeden von uns sehr spürbar ist: der Einzelhandel. Sie nimmt dabei die Folgen für die Stadt- und Raumentwicklung in den Blick: wie können Städte mit Stadtplanung, Verkehrsplanung, Stadtmarketing aber auch eigenen digitalen Lösungen reagieren und ihre Zentren attraktiv halten?

Um die Funktionalität von Stadtkernen als lebendige, vitale Zentren zu sichern muss eine Vielzahl von Akteuren zielgerichtet zusammen arbeiten. Die neue digitale Handelswelt ist dafür eine Herausforderung, bietet aber auch neue Möglichkeiten und Chancen. Frau Wolf gibt in ihrer Arbeit eine breite Palette von Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Akteure, die sich durch einen engen Praxisbezug und eine gute Anwendbarkeit auszeichnen.

 

Anlage

Foto RVMO: Verleihung des Reinhard-Baumeister-Preises 2019, v.l.

Verbandsvorsitzender Dr. Christoph Schnaudigel, Felix Fabian Stroh, Julia Wolf, Tim Hermes, Verbandsdirektor Prof. Dr. Gerd Hager

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