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PresseInformation Nr. 36

Region lehnt Erweiterung des FOC Roppenheim ab

Karlsruhe. Am Standort des Factory Outlet Centers (FOC) im elsässischen Roppenheim ist die Ansiedlung weiterer Einzelhandelsgeschäfte geplant. Dies sieht der sogenannte PLUI (plan local d´urbanisme intercommunal) – ein interkommunaler, städtebaulicher Leitplan – vor. In der Region Mittlerer Oberrhein lehnen die Mittelzentren, das Oberzentrum Karlsruhe, die Industrie- und Handelskammer und der Regionalverband das Vorhaben in Roppenheim im Rahmen der Beteiligung am Verfahren zum PLUI ab. Sie befürchten weitere negative Auswirkungen auf die Innenstädte beidseits des Rheins.

Ein wesentliches Planungsziel der französischen Nachbarn ist die Stärkung der wirtschaftlichen Funktionsräume. Hierzu sollen 3000 Arbeitsplätze geschaffen werden, unter anderem durch die Reaktivierung einer mehrere Hundert Hektar großen Industriebrache bei Drusenheim. Diese Stoßrichtung des Plans begrüßen die rechtsrheinischen Partner, geben aber gleichzeitig die damit einhergehenden Auswirkungen auf den Verkehr und die Umwelt im gemeinsamen Oberrheinraum zu bedenken.

Wichtigstes Einzelprojekt ist jedoch die Erweiterung des FOC bei Roppenheim. Damit soll auch seine touristische Anziehungskraft gestärkt werden. Als Ziel wird im PLUI explizit hervorgehoben, Anzahl und Anteil der deutschen Kunden zu erhöhen. Hierzu ist südlich der im Jahr 2012 eröffneten Einkaufsmeile ein 46 Hektar großes Baugebiet vorgesehen. Zu den bislang über 100 Geschäften mit insgesamt 27.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen auf weiteren zehn Hektar Einzelhandelsgeschäfte entstehen. Darüber hinaus sind Hotels, Gastronomie, Freizeitattraktionen und Dienstleistungen vorgesehen. Konkretisierte Pläne liegen bisher noch nicht vor.

„Es ist offensichtlich, dass in Roppenheim eine künstliche Innenstadt an einem peripheren Standort geschaffen werden soll“, kommentiert der Vorsitzende des Regionalverbandes Dr. Christoph Schnaudigel die Ausbaupläne. „Allein die Handelsfläche des FOC Roppenheim von fast 30 Hektar wäre dann so groß wie die Einkaufsinnenstadt von Baden-Baden“, veranschaulicht der Karlsruher Landrat die Dimension des Vorhabens.

Die Zentren in der Region befürchten, dass die bisher eher überschaubaren negativen Auswirkungen des FOC Roppenheim sich durch seinen Ausbau deutlich verschärfen werden. Die Erfolge von Zentren wie Haguenau oder Rastatt und ihrer Einzelhändler zur Schaffung lebenswerter und attraktiver Innenstädte wären dann gefährdet.

„Der geplante Ausbau des FOC Roppenheim ist kein zukunftsgewandtes Modell - weder ökologisch noch ökonomisch. Konsum- und Freizeitwelten, die nur mit dem Auto zu erreichen sind, sind nicht nur ein Auslaufmodell. Sie konterkarieren auch das Prinzip der europäischen Stadt mit lebendigen, vielfältigen Innenstädten nahe am Menschen und verschärfen die Effekte des Online-Handels“, so Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, der auch Vorsitzender der TechnologieRegion Karlsruhe ist.

Der Verbandsdirektor des Regionalverbandes Prof. Dr. Gerd Hager bezweifelt, dass zusätzliche Freizeitmagnete am FOC Roppenheim den Tourismus im Elsass befördern würden. „Studien zeigen, dass typische FOC-Kunden sich kaum für weitere Ziele im Umland interessieren. Ein Kulissendorf ist denkbar ungeeignet als Ort der grenzüberschreitenden Begegnung. Dafür haben wir die schönen Innenstädte links und rechts des Rheins“.

Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein wird zusammen mit dem Regionalverband Rhein-Neckar im gemeinsamen Planungsausschuss am 24. Oktober in Kandel über das weitere Vorgehen zu den Ausbauplänen des FOC Roppenheim beraten. 

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