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PresseInformation Nr. 46

Flächengewinn für die Solarenergie

Karlsruhe/Rastatt. Für die Ernte von Sonnenenergie gibt es jetzt weitere Chancen auf ausgewählten Freiflächen in der offenen Landschaft. Dazu hat die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein gestern (5.12.) im Landratsamt Rastatt den Weg frei gemacht. Die Mitglieder haben den Satzungsbeschluss zur Teilfortschreibung zum Thema Solarenergie mehrheitlich beschlossen. Vorausgegangen waren zwei Offenlagen sowie eine ergänzende Beteiligung im südlichen Planungsgebiet. „Mit der Teilfortschreibung zur Solarenergie trägt die Regionalplanung zum Ausbau der erneuerbaren Energieträger bei. Nun liegt es in der Hand der Kommunen, ob dort Freiflächenanlagen für Photovoltaik geschaffen werden“, so Verbandsvorsitzender Landrat Dr. Christoph Schnaudigel.

Die Regionalplaner sehen neben der Wasser- und der Windkraft die Solarenergie als elementaren Baustein zur Energiewende. „Gerade dieses extrem trockene und sonnige Jahr hat gezeigt, dass in Zeiten der Klimaerwärmung auch bei den erneuerbaren Energien ein Mix verschiedener Quellen erforderlich ist. Bei der Solarenergie sehen wir noch große Potenziale“, erklärte Verbandsdirektor Gerd Hager und fügte hinsichtlich der Standortwahl hinzu, dass „Solaranlagen vor allem auf Dachflächen und bereits  versiegelte Flächen gehören“. Dennoch gäbe es immer wieder Anfragen für Anlagen im Freiraum, für die der Regionalverband geeignete Flächen anbieten möchte.

Die Flächenkulisse der Teilfortschreibung umfasst nach Angaben des Regionalverbandes zwanzig Vorbehaltsgebiete für Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die zusammen rund 160 Hektar einnehmen. Insgesamt sei dies weniger als 0,1 Prozent der Regionsfläche. Viele Experten würden jedoch davon ausgehen, dass in Deutschland für eine Erreichung der Klimaschutzziele insgesamt zwei Prozent der Landesfläche für die direkte Erzeugung von erneuerbaren Energien wie Solar-, Wasser- und Windkraft erforderlich sind.

Im jetzt beschlossenen Planwerk fehlen fünf der ursprünglich vorgeschlagenen Vorbehaltsgebiete für Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Diese lagen in den Gemarkungen von Bad Schönborn, von Bruchsal, Bühl und Karlsdorf-Neuthard, sowie von Malsch und Waghäusel. Zwei weitere Flächen in Weingarten wurden verkleinert. Hintergrund für die Anpassungen waren vor allem Stellungnahmen von Fachbehörden, insbesondere aus dem Natur- und Artenschutz. Von den Kommunen vorgeschlagene zusätzliche und alternative Flächen entsprachen unter anderem wegen zu geringer Größe nicht den Planungskriterien. Aus der Bürgerschaft gingen bei den Offenlagen keine Anregungen ein, so der Regionalverband.

Ein Vorbehaltsgebiet, das für eine bestimmte Nutzung im Regionalplan reserviert ist, muss im Fall der Freiflächen-Photovoltaikanlagen mindestens drei Hektar groß sein. Dort müssen zudem die Förderbedingungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erfüllt sein. Dazu gehört beispielsweise, dass die Anlagen einen Maximalabstand von Autobahnen oder Schienentrassen von 150 Metern haben. Im neuen Plan ist außerdem ein Pilotstandort für eine schwimmende Photovoltaik-Anlage auf einem Baggersee bei Bad Schönborn vorgesehen.

Die Regionalplaner zeigen sich zuversichtlich, dass Photovoltaik-Freiflächenanlagen sich mit Landwirtschaft und Naturschutz kombinieren lassen. So gebe es viele Praxisbeispiele mit extensiver Bewirtschaftung wie Viehhaltung und der Entwicklung von Biotopen mit einer im Vergleich zum Umland deutlich erhöhten Artenvielfalt. Die Verbandsverwaltung hat auch Flächen im Raum Rastatt, Baden-Baden, die mit per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) belastet sind, auf ihre Eignung für die Gewinnung von Solarenergie geprüft. Eine potenzielle Pilotfläche wurde jedoch bereits im Juli letzten Jahres von der Verbandsversammlung zurückgestellt. Es soll im Jahr 2019 geprüft werden, ob dort eine Vereinbarkeit der PFC-Problematik mit landwirtschaftlicher Nutzung realisierbar ist.

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