Presseinformation Nr. 3

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Ein Plädoyer für die Schiene im Planungsausschuss

Karlsruhe. Welche Entwicklungen sich im Schienengüterverkehr am Oberrhein abzeichnen, das beleuchtete gestern (6.02.) Peter Westenberger in der Sitzung des Planungsausschusses im Haus der Region. Nach den Worten des Geschäftsführers des Netzwerkes Europäischer Eisenbahnen orientiere sich der Verkehrsmarkt wieder stärker an der Schiene. Dazu trage seit Sommer 2018 auch die Senkung des Trassenpreises durch die Förderung des Bundes bei. Klimaschutzanforderungen, Fahrerknappheit, Unzuverlässigkeit des Straßentransports wurden als weitere wesentliche Motive angeführt. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Rastatter Tunnelhavarie und der Zunahme des Schienengüterverkehrs fokussierte Westenberger auf drei Aspekte.

 

Zentrale Voraussetzung für die Erhöhung der Kapazität sei der Schienenausbau, vorrangig der überfällige viergleisige Ausbau der Rheintalbahn. Dabei sollten sich Personen- und Güterverkehr nicht gegeneinander ausspielen lassen, so Westenberger. In diesem Kontext seien ebenso grenzüberschreitende und Korridorlösungen anzustreben. Die Resilienz oder Widerstandsfähigkeit des Schienensystems am Oberrhein sollte gestärkt werden unter anderem durch die Ertüchtigung linksrheinischer Verbindungen und der Querungsmöglichkeiten über den Rhein.

 

Beim Schienenausbau könne auf die positiven Entwicklungen beim Lärmschutz aufgebaut werden. „Ende des kommenden Jahres wird die Lärmbelastung des Schienengüterverkehrs im Vergleich zu 2010 halbiert worden sein“, prognostiziert Westenberger. Gründe dafür seien Grenzwerte für neue Waggons, Lärmvorsorge an neuen und Lärmsanierung an hochbelasteten bestehenden Strecken und vor allem die Umrüstungen auf die so genannte „Flüsterbremse“ samt Verbot lauter Güterwagen ab Ende 2020. Auch seien die Grenzwerte für die Anwohnerbelastung herunter gesetzt worden, so dass „wir bei Ausbaumaßnahmen über einen ganz anderen Güterverkehr sprechen, als ihn viele Anwohner in Erinnerung haben“, so Westenberger.

 

„Was wurde aus Rastatt gelernt? Bisher zu wenig!“ war eine der Vortragsfolien überschrieben. Gemeint war die dortige Tunnelhavarie. Nach den Ausführungen von Westenberger würde das danach von der DB-Netz AG und den übrigen europäischen Schieneninfrastrukturbetreibern erarbeitete „Notfall-Handbuch“ zwar die Bewältigung ähnlicher Störfälle verbessern helfen, aber nichts zu deren Vermeidung beitragen können. Die Ertüchtigung von Umleitungsstrecken komme darin ebenso wenig vor, wie notwendige Systemverbesserungen bei der internationalen Baustellenplanung, der Betriebssprache oder den Kostenregelungen bei grenzüberschreitenden Umleitungen.

 

„Der Regionalverband hat entsprechende Forderungen in den EVTZ-Rhein-Alpen-Korridor eingespeist“ ergänzte Verbandsdirektor Gerd Hager. Der EVTZ habe daraufhin eine Übersicht zu den bisherigen Folgeaktivitäten erarbeitet. Demnach sei auf europäischer Ebene vieles auf dem Weg, aber es gebe noch etliche Lücken, so zum Beispiel bei den Umleitungsstrecken. Insbesondere sollte aus der Sicht des EVTZ Rhein-Alpen-Korridor das Krisenmanagement verkehrsträgerübergreifend gedacht werden. Das bedeute, dass Schiene, Straße und Wasser sich im Korridor gegenseitig stärken müssen, so Hager.

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