Fünf Jahre Innenstadtberatung: IHK und VRK ziehen Bilanz

Innenstadtkongress von IHK Karlsruhe und Verband Region Karlsruhe
Fünf Jahre Innenstadtberatung: IHK und VRK ziehen Bilanz

Wie bleiben Innenstädte und Ortsmitten lebendig? Darüber haben sich Verantwortliche aus Kommunen, Handel und Wirtschaftsförderung beim Innenstadtkongress unter dem Motto „einfach.innenstadt“ in der IHK Karlsruhe ausgetauscht. Die IHK Karlsruhe und der Verband Region Karlsruhe zogen dabei Bilanz nach fünf Jahren geförderter Innenstadtberatung.

Aus dem Förderprojekt sei weit mehr entstanden als Beratung, sagte IHK-Präsident Frank Roth. Dazu gehörten Innenstadtchecks, ein enges Netzwerk vor Ort und ein umfangreicher Datenbestand aus 14.000 Interviews. „Das Projekt endet – zumindest nach derzeitigem Stand - planmäßig am 31. Dezember 2026, der Handlungsbedarf bleibt aber bestehen“, so Roth. „Attraktive Innenstädte entstehen nicht von allein, sondern leben davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen.“

„Die Innenstadtberatung hat in vielen Kommunen unserer Region eine echte Aufbruchstimmung ausgelöst. Innenstadtentwicklung ist aber ein Langstreckenlauf und kein Sprint. Deshalb setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass das Projekt verlängert wird“, sagt Prof. Dr. Matthias Proske, Verbandsdirektor des Verbands Region Karlsruhe. 

Stefan Mogler vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg würdigte unter anderem die konstruktive Zusammenarbeit mit der IHK-Innenstadtberatung. Innenstadtberater Michael Rausch betont die Bedeutung des Projekts: „Fünf Jahre Innenstadtberatung haben gezeigt, wie wichtig ein verlässlicher Ansprechpartner und ein starkes Netzwerk vor Ort sind. Diese Arbeit endet nicht mit dem Förderzeitraum. Wir werden das Know-how weiter nutzen und den Innenstadtkongress als feste Plattform fortführen. Der nächste Termin ist am 25. Oktober 2028.“

Wochenmärkte und Pop-up-Stores

In Baden-Württemberg gibt es rund 960 Wochenmärkte, also in etwa jeder zweiten Gemeinde einen. Das berichtete Thomas Kaiser von der IHK Südlicher Oberrhein. 97 Prozent der Befragten bewerten sie als gut oder sehr gut, vielerorts fehlen jedoch Beschickerinnen und Beschicker. Der Wochenmarktfinder der IHKs bringt Kommunen und Marktleute deshalb digital zusammen. Inzwischen sind dort 3.168 Anbietende und 850 Märkte verzeichnet.

Digitalisierung und Unternehmensnachfolge

Andreas Kraut, Hauptamtsleiter und Digitalisierungsbeauftragter der Stadt Ettlingen, berichtete offen über die Erfahrungen mit digitalen Angeboten. Ettlingen setzt unter anderem auf die Plattform Chayns mit einem digitalen Stadtgutschein und einem Bestell- und Bezahlsystem für die Gastronomie. Laut Kraut müssten Kommunen die Unternehmen deshalb mit Weiterbildungsangeboten stärker dabei unterstützen, die bereitgestellte Technik einzusetzen.

Hauke Schmidt von der IHK Karlsruhe beleuchtete die Unternehmensnachfolge als Standortfrage. „Bis Ende 2029 planen in Deutschland rund 545.000 Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Übergabe. Auf jede Interessentin und jeden Interessenten kommen dabei 2,4 Abgebende“, so Schmidt. Er riet, mindestens zwei Jahre vorher mit der Planung zu beginnen.


Diskussion über Stress in der Stadt

Zum Abschluss diskutierten Fachleute und Gäste im Fishbowl-Format, wie viel Trubel eine Innenstadt verträgt. Stadtplanerin Dr. Nina Haug vom KIT hat in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie Passantinnen und Passanten Stress in der Stadt erleben. Größter Stressfaktor ist demnach der Verkehr. Eine Stadt dürfe aber fordern, solange das Gleichgewicht stimme. Ein Teilnehmer betonte, die Innenstadt sei in erster Linie Wirtschaftsraum. Citymanagerin Nicole Bär aus Ettlingen und Bruchsals Innenstadtcoach Lisa Mücke plädierten für eine Balance zwischen den unterschiedlichen Nutzungen. Einig war sich die Runde, dass Hitze als Belastung bei der Gestaltung von Innenstädten stärker mitgedacht werden muss.